Baustile

Gerade ältere Bauwerke strahlen eine besondere Faszination aus. Dies liegt an den verschiedenen Stilrichtungen sowie den Stilepochen. Bei den Bauwerken handelt es sich um historische Schönheiten, die viel über die Vergangenheit verraten und den Betrachter ganz bewusst in eine der zahlreichen Epochen zieht. Der folgende Artikel soll die Trends der verschiedenen Architektur-Epochen näher erläutern, indem er auf die verschiedenen Baustile der Jahrhunderte näher eingeht.

Inhalt der Seite

Kurz & Kompakt: Zusammenfassung

  • Woran lassen sich Baustile erkennen?

  • Welche besonderen Bauten je Baustil sind bekannt?

  • Inwieweit wirken sich vergangene Baustile auf den heutigen Hausbau aus?

Konzept der Baustile und ihre Bedeutung für den Hausbau

Der Baustil weist gerade in der Kunstgeschichte sowohl auf einen regionalen als auch internationalen Stil im Bauwesen und der Architektur hin. Die Grundlagen für jeden Architekten seiner Zeit waren neben der Ausbildung an einer Architektenschule auch die Region, in der er lebte, sowie die historische Epoche seiner Zeit.

Sowohl in der Bauforschung als auch in der Denkmalpflege wird das Konzept. Des Baustils immer öfter hinterfragt. Die Rede ist dann von den historischen Bauformen oder von den Architektur-Epochen.

In der Gegenwart werden rund um den Hausbau immer öfter bewusst oder unbewusst vergangene Architekturstile übernommen, um dem Gebäude das gewisse Etwas zu verleihen.  

Romanik

Bei der Romanik handelt es sich um eine Zeit, die vom 10. bis 13. Jahrhundert andauerte (erste Epoche des Mittelalters). Aufgrund dieser Lage wurde die Romanik unterteilt in

  • Frühromanik: 900 bis 1070

  • Hochromanik: 1070 bis 1170

  • Spätromanik: 1170 bis 1240

Der romanische Baustil besticht durch massive Bauwerke wie Klöster, Kirchen, Kathedralen, Burgen und Sakralbauten. Durch eine Kombination von Langbau und Querhaus erinnern die Bauten sehr oft an ein Kreuz. Zu den weiteren Merkmalen des Baustils zählen:

  • Fenster und Öffnungen mit halbkreisförmigen Bögen

  • Gebäude mit kleinen Fenstern als Öffnungen

  • massive Bauweise der Bauwerke

  • besonders dicke Wände und Mauern

  • dunkle Farben insbesondere bei Kirchen und Kathedralen

  • schlichte Fassaden der Gebäude

  • einfache Grundformen der Bauwerke

Das heute bekannte Architektenhaus hat in diesen Bauwerken seinen Ursprung, da auch in der Vergangenheit Planung und Bau aus reiner Handarbeit bestanden und in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherren bzw. Geldgeber standen. Zu den guten Beispielen für die Romanik zählen die Domkirche St. Maria und St. Stephan zu Speyer sowie der Roman von Ken Follet „Die Säulen der Erde“.

Gotik

Auch in der Gotik, welche in die Zeit von 1130 bis 1500 fiel, wurden Bauwerke als Auftragsarbeiten durchgeführt. Dieser Baustil wird ebenfalls in drei Epochen unterteilt:

  • Frühgotik: 1130 bis 1200

  • Hochgotik: 1200 bis 1400

  • Spätgotik: 1400 bis 1500

Ähnlich wie bei der Romanik sind im Baustil Gotik sehr viele Sakralbauten zu finden. Bekannt für die Gotik sind:

  • zahlreiche Verzierungen und Details an den Gebäuden

  • nach oben strebende Spitzbögen

  • hohe Spitzbogenfenster

  • große Rosetten an den Eingängen (Portale) von Sakralbauten, Rathäusern, Toren, Burgen und sonstige Bauwerke

  • filigrane Wandflächen mit zahlreichen Verzierungen

  • leuchtende und farbige Glasfenster

  • Fensterrosen (kreisrunde Fenster)

Zum Einsatz bei der Konstruktion der gotischen Bauten kamen die Strebewerke und das Kreuzrippengewölbe. Die Rippen beim Kreuzrippengewölbe verlaufen im Gewölbe gekreuzt und leiten so die Druck- und Schubkräfte an die Pfeiler ab. In Fachkreisen ist bei dieser Konstruktion von selbsttragenden Rippen die Rede. Die Konstruktion aus Pfeilern und Bogen dagegen wird Strebewerk genannt. Bogen und Pfeiler stützen dabei das Gebäude gegen die entstehenden Kräfte ab. In der Gotik wird der Spitzbogen aus zwei Kreisen, welche einen Bogen mit Spitze bilden, konstruiert. Sehr gut zu erkennen war dies auch bei der Kathedrale Notre Dame de Paris. Notre-Dame wurde zwischen 1163 und 1345 im Namen der heiligen Maria errichtet. Es handelte sich dabei um eine der ersten gotischen Kirchen in Frankreich. Die damaligen Architekten übergaben ihr Wissen und ihre Erfahrungen in mündlicher Form an ihre Nachfolger, sodass es bis heute keine schriftlichen Überlieferungen zur Statik eines Gebäudes gibt.

Barock

Der Architekturstil Barock fiel in die Zeit von 1600 bis 1730. Diese Epoche wird unterschieden in

Frühbarock: 1600 bis 1630

Hochbarock: 1630 bis 1730

Der folgende Spätbarock von 1730 bis 1770 wird auch als Rokoko bezeichnet. Es handelte sich dabei um eine spezielle Kunstform.

In dieser Epoche wurden einige der weltbekannten Schlösser und Paläste erschaffen, die damals wie heute für Reichtum und Eleganz stehen. Zu den charakteristischen Merkmalen des Barock zählen:

  • Geschwungene Formen

  • Großzügig gestaltete Räume und Innenbereiche

  • Einsatz von kostbaren Materialien (Gold, Marmor usw.)

  • Fassaden und Decken mit Stuck

  • Filigrane Details

  • Kuppelartige Bögen

  • Sowohl konvexe als auch konkave Formen

  • Besserer Lichteinfall durch Anordnung von Fenstern

  • Dekorierte Fresken und Skulpturen

Als Beispiel für den Barock gilt das Schloss Versailles mit seiner verzierten Fassade sowie den kostbaren Materialien an Fenster und Türen. Die Residenz gilt als architektonisches Prachtwerk und Wahrzeichen von Frankreich.

Der Barock setzte im Gegensatz zu den anderen Epochen. Auch auf die Gestaltung der umliegenden Parkanlagen. Dazu gehörten großflächige Blumenbeete, geformte Hecken und gepflegte Rasenflächen.

Renaissance

Mit der Kunst der Renaissance, welche auf die Zeit von 1400 bis 1620 fiel, wurde die Darstellung der Welt vollkommen verändert. Die weltlichen Gegenstände und Ereignisse wurden immer mehr zum Motiv (Sujet). Im Besonderen war dies der Fall, als die Wiederentdeckung und die Weiterentwicklung der Perspektive, geometrischen Figuren und der mathematischen Konstruktionen aufkamen. Auch die Renaissance hat sich in drei Epochen aufgeteilt:

  • Früh-Renaissance: 1400 bis 1500

  • Hoch-Renaissance: 1500 bis 1520

  • Spät-Renaissance: 1520 bis 1600

Die Renaissance, die auch als Wiederbelebung der Antike bezeichnet wird, orientierte sich am Baustil der römischen Bauwerke sowie an Elementen der Gotik und Romanik. Zu den markanten Merkmalen zählen:

  • Kombinationen aus Langbau und Querhaus

  • Fensterrosen

  • Säulenordnung aus der Antike

  • Bestrebungen zu einem harmonischen Gesamtbild

  • Proportionen wurden beachtet (Goldener Schnitt)

  • Ausführen von großen Kuppeln

  • Verzierungen und Symmetrien (Friese, Gesimse, Wandmalerei usw.)

Als Prachtwerk der Renaissance gilt auch heute noch die Cattedrale di Santa Maria del Fiore, welche mit gotischen Elementen erbaut wurde.

Jugendstil

Beim Jugendstil, welche  den Übergang zum Jahrhundertwechsel einläutete, handelte es sich um eine recht kurze Epoche, die von 1890 bis 1910 andauerte. Ziel dieser Stilepoche war es, fließende und schwungvolle Linien und Ornamente einzubauen. Beim Jugendstil  handelt es sich um eine Mischung von Stilrichtungen. Aus diesem Grund lassen sich die Merkmale bei den Bauwerken nicht klar und deutlich trennen. Wesentliche Merkmale des Jugendstils sind:

  • Florale Ornamente und Flächen

  • Dekorativ geschwungene Linien

  • Die Abkehr von der Symmetrie

  • Ein Design nach dem Leitmotiv „Kunst und Leben“

In Deutschland wird für die Epoche der Begriff Jugendstil verwendet. Dagegen heißt es in Frankreich „L’Art Noveau“, in Österreich „Sezessionsstil“ und in England „Modern Style“.

Als Beispiel für ein Gebäude aus dem Jugendstil gilt das Museum für zeitgenössische Kunst in Wien. Zur Hauptattraktion des Bauwerks aus dem Jahr 1898 zählt die Kuppel aus vergoldeten Lorbeeren.

Bauhaus

Der Funktionalismus erlebte durch das Bauhaus seinen internationalen Durchbruch. Ursprünglich war alles als Experiment geplant, was sich aber später zu einer der einflussreichsten Stilrichtungen Deutschlands entwickelte. Die Bauhaus-Schule bestand nur von 1919 bis 1933, prägte jedoch die Architektur-Epochen wie keine andere. Zu den bekanntesten Lehrern des Bauhaus-Stils gehörten Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Walter Gropius. Bei Bauherren ist die Bauhaus-Architektur immer noch stark gefragt, da sie immer wieder neu interpretiert und umgesetzt wird. Zu den Merkmalen des Bauhaus-Stils zählen:

  • Verbindung von Industrie, Wissenschaft und Handwerkskunst

  • Form follows function (Form folgt der Funktion) und Less is more (Weniger ist mehr)

  • Geometrische und kubische Grundformen sowie klare Ordnung durch geradlinige Flächen in der Konstruktion

  • Stahl, Glas und Beton als Materialien

  • Farbgebung mit Komplementär- und Grundfarben

  • Schlichter und schnörkelloser Charakter als „gepflegte Kälte“

Auch heute liegt der Fokus beim Bauhaus auf modularem Bauen und offene Grundrisse.

Funktionalismus

Mit dem Funktionalismus wird eine neue Denkweise in der Baukunst beschrieben. Aus dem Funktionalismus gingen weitere Architektur-Epochen des 20. Jahrhunderts hervor. Beim Funktionalismus haben sich Architekten und Designer auf die Frage nach dem Zweck und der Nützlichkeit von Gebäuden fokussiert. Zu den Vorreitern und Vertretern des Funktionalismus zählt Le Corbusier, der den Gestaltungsgrundsätzen, welche von Logik und Verstand geleitet wurden, nachging. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Funktionalismus an Bedeutung, sodass in den 50er und 60er-Jahren ihm auch immer mehr Städtebau-Konzepte folgten. Zu den Vorläufern der späteren Plattenbauten zählten die Wohnblöcke aus Stahlbeton. Merkmale des Funktionalismus sind:

  • Fokussierung auf technische und funktionale Aspekte

  • Geradlinige und sachliche Form bei der Konstruktion der Bauwerke

  • Materialien sind moderne Baustoffe wie Spannbeton, Stahl und Glas

  • Der Charakter der Architektur steht für eine moderne Sachlichkeit sowie ein minimalistisches Gesamtbild

Klassizismus

Im Fokus des Klassizismus, welcher von 1750 bis 1840 dauerte, standen die Vernunft und die Aufklärung. Die Stilepoche wirkt aus diesem Grund auch kühl und  distanziert. Dabei steht sie ganz im Gegensatz zum Barock oder Rokoko.

Im Rahmen der Architektur hat sich diese Stilepoche stark an der Antike, im Besonderen der griechischen Antike, orientiert. Die Baukünstler nutzten klare Gestaltungsmittel und folgten strengen Regelungen in Bezug auf Form und Farbe.  So diente zum Beispiel die Säulenordnung aus der griechischen Antike als Inspirationsquelle, weshalb sie auch oft als Gestaltungsmittel in Bauwerken zum Einsatz kam.

Das Britische Museum als öffentliches Staatsmuseum ist ein Bauwerk des Klassizismus. Es wurde im Jahre 1753 von verschiedenen Architekten entworfen. Mit seinen vier Flügeln, den 43 Säulen, dem dreieckigen Giebel und den riesigen Stufen wird mit dem Bauwerk die klassische griechische Architektur versinnbildlicht.

Regionale Baustile

Neben den verschiedenen Architektur-Epochen gibt es eine Reihe regionaler Beispiele, die sowohl das Bild eines Landes oder Regionen prägen als auch an herausragende Baumeister erinnern sollen.

Zu den regionalen Einflüssen in der Architektur zählt auch die Verwendung von bestimmten Baumaterialien wie zum Beispiel Stein oder Holz. Durch diese Materialien bekommen die Bauwerke nicht nur eine einzigartige ästhetische Qualität, sondern sie trugen schon damals zur Nachhaltigkeit bei, da bestimmte Materialien regional verfügbar waren. Ebenso wichtig war auch die Berücksichtigung von Klima und natürlicher Umgebung. Durch die verschiedenen Nachhaltigkeitskonzepte konnten Architekten schon damals Ressourcen schonen und dennoch Gebäude erschaffen, die sowohl funktional als auch kulturell von Bedeutung waren.

So zeichnet sich der mediterrane Baustil durch klare Formen aus, welche auf Wunsch mit verspielten Details kombiniert werden können. Für den Betrachter ist ein mediterranes Landhaus mit Mosaiken oder ein Walmdachhaus in klassischen warmen Sandtönen der Inbegriff von mediterranem Flair.

Im skandinavischen Baustil stehen schlichte Eleganz, Funktionalität und eine tiefe Verbundenheit zur Natur im Fokus. Das skandinavische Haus sorgt mit seiner hellen Innenarchitektur, den natürlichen Materialien und dem ausgewogenen Raumkonzept für eine wohltuende Atmosphäre.

Moderne Baustile

Beim Modernismus liegt der Fokus auf Funktionalität und Zweckmäßigkeit von Gebäuden. Es wird weitestgehend auf aufwendige und dekorative Schmuckelemente beim Hausbau verzichtet.

Beim Minimalismus in der Architektur liegt der Fokus auf einer Reduktion von klaren, geometrischen Formen sowie rechte Winkel und parallele Linienführungen. Es wird auf überflüssige Dekorationen verzichtet.

Die Postmoderne folgt in der Architektur keinem Einheitsstil, sondern gilt zur Darstellung an einem spezifischen Ort. So entsteht eine unverwechselbare, überraschende und auch fantasievolle Architektur, die in keine Schublade passt.

Die High-Tech-Architektur wird auch als Spätmoderne Architektur oder als strukturellere Expressionismus bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine technisch bestimmte Architekturströmung aus den 70er Jahren. Für die neuen Technologien kam struktureller Stahl zum Einsatz, sodass neue Gestaltungs- und Formfindungsprozesse möglich waren.

Merkmale und Charakteristika von Baustilen

Die typischen Merkmale der einzelnen Baustile sowie deren Charakteristika haben wir bereits dem jeweiligen Baustil zugeordnet, sodass wir dies an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholen möchten.

Architektonische Elemente und Dekorationen

Je nach Baustil wurden spezifische architektonische Elemente verwendet. Diese sollten unter anderem den Reichtum und die Eleganz der Zeit widerspiegeln. Dies erklärt auch, warum verschiedene historische Bauwerke heute unter Denkmalschutz stehen. So lässt sich unsere eigene Vergangenheit und die Geschichte der Architektur bewahren. Den nachfolgenden Generationen geben wir so die Möglichkeit, sich daran zu erinnern.

Vor- und Nachteile verschiedener Baustile

Alle uns bekannten Architektur-Epochen haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Dies gilt jedoch nur für unsere heutige Zeit, denn Einzelheiten wie Funktionalität, Ästhetik, Kosten oder gar die Energieeffizienz standen in den jeweiligen Epochen nicht im Fokus. Die Bauwerke entstanden vielmehr nach den Ideen und Wünschen der damaligen Bauherren, die sich wenig um die angesprochenen Faktoren kümmerten, sondern vielmehr darum, dass ihr Bauwerk Geschichte schreibt. Dies ist bei den meisten großen Bauwerken auch tatsächlich gelungen. Umso schmerzhafter sind Verluste wie der Brand von Notre-Dame, welches nach neuen Plänen zwar wieder aufgebaut wurde, aber nie mehr den Charme von damals bekommt.

Die Wahl des richtigen Baustils für Ihr Haus

Bauherren, die heute ein Haus bauen, können zwar ihre Wünsche und Ideen in Bezug auf die Gestaltung miteinfließen lassen. Letztendlich wird jedoch immer der gültige Bebauungsplan entscheiden, wie ein Haus in groben Zügen auszusehen hat. Die Aufgaben der Architekten besteht darin, ein Eigenheim zu bauen, das den persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen der späteren Bewohner entspricht, aber den Vorgaben und Anforderungen aus dem Bebauungsplan gerecht wird.

Einflussfaktoren auf die Wahl des Baustils

Bei der Wahl des Baustils für heutige Baufamilien spielen neben dem Budget, welches zur Verfügung steht, auch die örtlichen Bauvorschriften sowie die Bebauung in der unmittelbaren Nachbarschaft eine wichtige Rolle. Sicherlich gibt es immer wieder Häuser, die deutlich vom regionalen Stil abweichen. Doch dies ist eher die seltene Ausnahme als die Realität.

Fazit

Die verschiedenen Baustile sind durch ihre ganz spezifischen Merkmale geprägt. In vielen Städten auf der Welt reihen sich genau aus diesem Grund zahlreiche Gebäude mit unterschiedlichen Baustilen aneinander.

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