Bauseits

Immer wieder taucht in Angeboten und Verträgen rund um den Hausbau der Begriff bauseits auf. Nicht nur Bauherrn fragen sich, was dies bedeutet, sondern was sie beachten müssen. Für den folgenden Artikel haben wir zu bauseits recherchiert.

Inhalt der Seite

Definition und Bedeutung von „Bauseits“

Der Begriff bauseits oder auch bauseitig taucht in vielen Bauverträgen auf und Bauherren fragen sich zu Recht, was damit gemeint ist. Ist in einem Bauvertrag in Kombination mit einer Leistung von bauseits oder bauseitig die Rede, dann steht das Wort bauseits für eine Leistung, die nicht Teil des Angebots ist. Bauseits heißt also, dass der Bauherr die entsprechende Leistung in Eigenregie organisieren muss. Nicht selten kommt es beim Bauherrn dadurch zu Missverständnissen, was wiederum unerwartete Kosten zur Folge hat.

Relevanz des Begriffs im Bauprojektmanagement

Heißt es in einem Bauvertrag, dass Strom, Telefon und Gas vom Bauherren bauseits ausgeführt werden müssen, ist das Bauunternehmen nicht verpflichtet Strom, Telefon oder Gas auf die Baustelle zu liefern. Damit Handwerker ihre Arbeiten dennoch erledigen können, muss der Bauherr für die entsprechende Lieferung sorgen. Für den Bauherrn hat dies zur Folge, dass er sich nicht nur um die Verfügungsstellung kümmern muss, sondern auch die anfallenden Kosten dafür tragen muss. Können Bauunternehmen nicht arbeiten, weil Bauherren sich nicht darum gekümmert haben, weil sie es nicht wussten, führt dies zwangsläufig zu Verzögerungen beim Bau.

Anwendungsgebiete von „Bauseits“

Gerade beim Hausbau bzw. im Bauvertrag wird bauseits unterschiedlich angewandt. Beim Bauen können alle Bauabschnitte betroffen sein. Dies gilt sowohl für die Bauausführung als auch für Materialien wie für Leistungen. Wir haben uns die gängigsten Anwendungsgebiete näher angeschaut.

Bauausführung „Bauseits“

Die Formulierungen sind für den Bauherrn entscheidend. Es gibt viele klassische Arbeiten, die bauseits erledigt werden müssen und so zu Mehrkosten beim Bauen führen. Einige markante Formulierungen sind:

  • Ein Bodengutachten erfolgt bauseits – Der Bauherr muss das Bodengutachten selbst in Auftrag geben.

  • Außenanlagen werden bauseitig erstellt – Nicht nur der Garten, sondern auch die Haus-Zuwegung sind nicht Teil des Angebots und verursachen Mehrkosten.

  • Bodenentsorgung erfolgt Bauherren-seitig – Überschüssiges Erdreich muss vom Bauherrn selbst entsorgt werden.

  • Malerarbeiten sind bauseits zu erledigen – Malerarbeiten müssen auf eigene Kosten erbracht werden.

  • Heizen des Gebäudes erfolgt bauseitig – Bauherrn müssen hier die Strom- und Heizkosten bis zur Übergabe selbst tragen.

Materialbeschaffung „Bauseits“

Sobald Bauherren in ihrem Vertrag Formulierungen lesen, wie zum Beispiel, dass einige Materialien bauseits zur Verfügung gestellt werden müssen, denn dies bedeutet in der Regel Mehrkosten für sie. Für den Bauherrn bedeutet dies, dass er die Materialien selbst besorgen und zur Baustelle liefern muss.

Allerdings muss die Materialbeschaffung bauseits nicht immer von Nachteil sein. Vielfach können Bauherren verschiedene Materialien aufgrund von Angeboten günstiger bekommen. Sobald das Material dann auf die Baustelle geliefert wurde, kann das Bauunternehmen mit seiner Arbeit beginnen. Schauen wir uns dazu das Beispiel Fliesen bauseits an. Die Fliesen werden vom Bauherrn geliefert, während das Bauunternehmen sich um die dazugehörigen Materialien wie Fugenmörtel, Fliesenkleber, Schutzschienen und Abdichtungen kümmern muss, ohne dass dem Bauherren dafür Mehrkosten in Rechnung gestellt werden.

Leistungen „Bauseits“

Ein wenig anders sieht es bei Leistungen bauseits aus. Taucht dies in einem Vertrag auf, dann muss sich der Bauherr sowohl um die Planungsleistungen als auch um andere Leistungen kümmern. Wird zum Beispiel ein Bodengrundachten für die Planung der Gründung benötigt, ist dies Aufgabe vom Bauherr, denn Baufirmen müssen eine solche Zusatzleistung nicht erbringen.

Sind auf dem Baugrundstück Müll, Pflanzen oder Gebäudeteile vorhanden, dann muss der Bauherr dafür Sorge tragen, dass das Grundstück freigeräumt wird. Alle anfallenden Kosten für Erdarbeiten und Entsorgung müssen vom Bauherrn getragen werden.

Der Begriff bauseits kann sich auch auf die Erschließung des Grundstücks beziehen. Der Eigentümer muss sich dann um die Erschließung kümmern und alle entsprechenden Genehmigungen beantragen.  

Vorteile und Herausforderungen von „Bauseits“

Bauseits steht weder für eine rechtliche noch eine technische Definition, auch wenn der Begriff immer wieder im Vertrag auftaucht. Für den Bauherren kann dies sowohl Vorteile als auch Herausforderungen bedeuten.

Schauen wir uns zunächst die Vorteile an. Verschiedene Materialien und auch Leistungen können günstiger erworben werden. So sparen Baufamilien am Ende sogar Geld. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Leistungen in Eigenregie übernommen werden oder ob ein günstigeres Unternehmen engagiert wird.

Rund um die Herausforderungen müssen Bauherren mit höheren Kosten rechnen, die so nicht geplant waren. Oftmals handelt es sich um teurere Zusatzaufträge der Bauunternehmen. Auch wenn der Bauträger den Preis nennt, können Bauherren oft in der Kürze der Zeit keine weiteren Angebote zum Vergleich einholen. Zwangsläufig werden dann die kostenintensiven Zusatzaufträge der Baufirma akzeptiert.

Ebenfalls zu den Herausforderungen zählt der Gewährleistungsverlust, der eintritt, wenn Arbeiten von Bauherren in Eigenleistung übernommen werden. Die Baufirma übernimmt dafür keine Garantie und ist daher auch nicht für Folgeschäden verantwortlich zu machen.

Fazit

In einem Bauvertrag sind für Laien Fehler nicht immer leicht zu erkennen. Wenn Fachbegriffe wie zum Beispiel bauseits falsch verstanden werden und der Vertrag unterschrieben wird, kann dies im schlimmsten Fall teuer werden. Daher ist es wichtig, dass der Bauvertrag immer sorgfältig gelesen und richtig verstanden wird. Es ist ratsam, einen Fachmann zurate zu ziehen, um die verschiedenen Formulierungen besser verstehen zu können. Der Fachmann wird den Vertrag prüfen und die Bedeutung von Fachbegriffen erläutern. Sicherlich entstehen so zusätzliche Kosten, die sich in der Regel aber schnell wieder amortisieren, da es seltener zu negativen Überraschungen rund um den Hausbau kommt.

Jetzt unverbindlich Kontakt aufnehmen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie-Hinweis von Real Cookie Banner